Pfarrkirche Herz Jesu Hassel
Geschichte der Pfarrei
 
   
   
 

Ursprünglicher Pfarrort für den kleinen Weiler "Hasel" - seit 1901 "Hassel" geschrieben - zwischen Rothenkopf, Kahlenberg und Eisenberg war Fronsbach an der alten Römerstraße. Dieses Kirchdorf lag südlich des heutigen Geistkircherhofes, etwa 200 m bevor - von Kirkel aus gesehen - die heutige Autobahn Mannheim - Saarbrücken die Kaiserstraße überquert, am Eingang zum Geisbachtal. Fronsbach wurde im 16. Jahrhundert verwüstet, das dem Verfall nahe Gotteshaus in reformierte Dienste genommen und der Weiler Hassel im Jahre 1545 dem Pfarrbezirk St. Ingbert zugeteilt. Pfarrkirche war lange Zeit St. Engelbert, die alte Kirche an der Kaiserstraße in St. Ingbert, welche - 1755 von den Grafen von der Leyen erbaut - die 1616 durch Brand zerstörte Pfarrkirche abgelöst hatte. Hassel blieb auch bei St. Ingbert, als einmal der Pfarrsitz von St. Engelbert im Jahre 1893 nach St. Joseph verlegt und zum anderen in der gleichen Zeit die Schwesterfiliale Rohrbach abgetrennt wurde und im Jahre 1895 einen eigenen Seelsorger erhielt. Doch regte sich damals das Verlangen, gleich Rohrbach selbstständig zu werden. Den Anfang dazu machten kurz entschlossen zwei Männer, Matthias Bohnert und Johann Dreßler. Sonntag für Sonntag gingen beide von Haus zu Haus und sammelten Groschen und Pfennige für den Kirchbauverein, der am 1. Januar 1899 im Saal von Matthias Bohnert unter Kaplan Wilhelm von St. Ingbert gegründet worden war. 1. Vorsitzender wurde Matthias Bohnert. Das Vermögen des Kirchenbauvereins betrug außer Grundstücken im Jahre 1919 bereits 60.000 Mark. Das Geld hatte jedoch durch den ersten Weltkrieg viel an Kaufkraft verloren. Es reichte nicht zum Bau einer neuen Kirche. Zählte Hassel im Jahre 1855 497 Einwohner, so war das Dorf 1920 auf 1.745 Seelen gewachsen.

 

Die Kirchenverwaltung St. Ingbert wollte  zuerst auf dem Kirchenbauplatz an der "Spitz" in Hassel ein Pfarrhaus bauen, mit einem Saal im Erdgeschoss als Gottesdienstraum. Der Kostenvoranschlag von 110.000 Mark verhinderte dies. Sodann sollte die Militärbaracke, die bei den Abwehrgeschützen in St. Ingbert stand, als Notkirche in Hassel aufgestellt werden. Dieses sonderliche Vorhaben stieß bei den Katholiken auf heftigen Widerstand. Schließlich wurde das Wirtschaftsanwesen von Johann Bucher an der Ecke Haupt- und St. Ingberter Straße zum Preis von 40.000 Mark erworben und nach notwendigen baulichen Veränderungen am 4. Oktober 1920 von Herrn Kaplan Otto Brauner als Betsaal eingesegnet.

Am 1. November 1920 ernannte der Bischof von Speyer den Kaplan von St. Josef, Otto Brauner, zum Lokalkaplan von Hassel. Leider sollte er aber nicht lange in Hassel wirken dürfen. Am 15. Juli 1924 wurde er vom Bischof als Diözesan-Caritasdirektor nach Speyer berufen. Sein Nachfolger wurde Adam Berberich, Kaplan von St. Ingbert.

 

Inzwischen hatte die Kircheverwaltung am 26. Oktober 1927 die Errichtung einer Pfarrpfründestiftung unter dem Namen "Römisch-katholische Pfarrpfründestiftung Herz-Jesu" beschlossen. Bereits am 7. November 1927 wurde dieser Beschluss vom Bischof genehmigt und die Errichtung der Pfarrpfründestiftung als kanonisch erklärt. Am 4. März 1928 vergab die Kirchenverwaltung die Ausführung der Maurer- und Betonarbeiten für Kirche und Pfarrhaus an die Baufirma Peter Groß, St. Ingbert, nach den Plänen der Architekten Wilhelm Schulte jun., Neustadt, und Hubert Groß, Speyer, unter der örtlichen Bauleitung von Oberbaurat Hans Merl, St. Ingbert. Am 18. März nahm Prälat Valentin Schneickert, Pfarrer von St. Josef, St. Ingbert, und damit auch von Hassel, den ersten Spatenstich vor. Am 20. Mai 1928 legte Bischof Ludwig Sebastian von Speyer bereits den Grundstein.

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Am 23. August 1928 war Richtfest. Bereits am 23. Juni kam Bischof Dr. Ludwig Sebastian zur Kirchweihe. Noch einmal flammte der Eifer der Katholiken auf. Eine Unmenge Schutt war zu entfernen, das Gelände um die Kirche und um das Pfarrhaus einzuebnen und die Kanalisation zu legen. 

 

Unterm 22. Oktober 1929 kann endlich Bischof Ludwig nach erfolgreichen Verhandlungen mit der Regierungskommission des Saargebietes die Lokalkaplanei Hassel zur Pfarrei erhoben. Sie wird unterm 23. Januar 1930 dem Lokalkaplan Adam Berberich verliehen, jenem Mann, der bereits über vier Jahre als Seelsorger die Katholiken von Hassel betreute und zu den Sorgen um die Seelen auch noch die Belastung durch den Bau von Kirche und Pfarrhaus getragen. Wenn man bedenkt, dass Hassel um das Jahr 1900 das ärmste Dorf der bayrischen Pfalz war und nun dreißig Jahre später am Fuße des Kahlenberges diese herrliche Basilika sieht, gebaut aus heimischem Sandstein, mit dem massiven Turm, der über 50 m hoch wie ein Finger seinen spitzen Kupferhelm zum Himmel streckt, was muss sich da in den Herzen der Bürger des Dorfes geregt haben?

   
  Beschreibung des Baues:
  Westpfälzische Zeitung, St. Ingbert, Nr. 143, 2. Blatt vom Sonntag, dem 22. Juni 1929:
 

"Die schöne Baugruppe: Kirche, Turm und das mit diesem zusammengebaute Pfarrhaus, fügt sich reizvoll in das Ortsbild ein und gibt eine kraftvolle Silhouette. Die Gesamtarchitektur ist modern, ohne allerdings eine traditionelle Verbundenheit zu verleugnen. Die überall materialgerecht verwendeten Baustoffe, so der gelbrot schillernde, breitverbandelte Sandstein und die altfarbenen Dachpfannen, wie der spitze Kupferhelm des Turms tragen wesentlich zu der guten Gesamtwirkung des Ganzen bei. Einen hellen, feierlichen Charakter hat der hohe, mit einer geraden Holzbalkendecke versehene Innenraum. Beim Eintritt in die Kirche sind die durch die vorgezogenen Pfeiler verdeckten, in verschiedenen Farben leicht getönten Fenster nicht sichtbar, wodurch  eine intime Wirkung erzielt wird. Aus Mangel an Geldmitteln konnte der Farbanstrich der Wände sowie die endgültige Farbgebung der Decke, die diese Wirkung noch bedeutend erhöhen sollen, leider noch nicht ausgeführt werden. Der Aufbau des Hochaltars ist nur provisorisch. Bänke, Sakristeimöbel und fast die ganze Inneneinrichtung fehlen noch. Es bedarf noch mancher mildtätigen Stiftung für diesen Zweck."

 

Aus diesem und anderen Berichten geht auch hervor, dass der Kirchenbau an sich, trotz finanzieller Hilfe der Diözese Speyer so viel Geld verschlang, dass für Decken, Türen und Altar nur noch ganz wenig Mittel  zur Verfügung standen. Die Bauschulden konnten nicht abgetragen werden; an der Beschaffung der Inneneinrichtung der Kirche war nicht zu denken.

 

Doch sollten noch härtere Schicksalsschläge das Dorf und seine Bürger treffen. Am 1. September 1939, einem Herz-Jesu-Freitag, gab Pfarrer Adam Berberich vor über 100 Pfarrangehörigen beim Herz-Jesu-Amt um 6.00 Uhr bekannt, dass er das Allerheiligste aus der Kirche entfernen und in Sicherheit bringen müsse. Der 2. Weltkrieg hatte begonnen. Hassel, in der gefährdeten, so genannten roten Zone gelegen, musste geräumt werden. Die Bürger des Dorfes wurden größtenteils in Thüringen, Unterfranken und Oberfranken untergebracht, soweit sie nicht zu den Waffen gerufen waren.

Im Frühjahr 1940 nahm ein gewaltiger Sturm Kirchen- und Pfarrhausdach arg mit. Als der Krieg zum totalen Wahnsinn ausartete, Tiefflieger mit Bordwaffen angriffen, musste auch das Lager des Reichsarbeitsdienstes an der heutigen Luisenstraße daran glauben. Dabei wurden auch Kirche und Pfarrhaus öfter in Mitleidenschaft gezogen.

So fielen am 9. November 1944 drei Bomben in die unmittelbare Nähe der Kirche. Sechs große Kirchenfenster wurden dabei völlig, die übrigen teilweise und das Kirchendach stark geschädigt. Das Dach, die Türen und die Fenster des Pfarrhauses wurden ebenfalls sehr mitgenommen.

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Wiederum musste sich die Bevölkerung des Dorfes in Sicherheit bringen. Die Bunker im Dorf, die Stollen in den bewaldeten Hügeln konnten nicht alle Leute aufnehmen. So wanderten viele ab ins Glantal, die Gegenden von Homburg und Landstuhl, manche bis zum Rhein.

 

Am 20. März 1945, gegen 15.00 Uhr, marschierten amerikanische Truppen ins Dorf ein. Der zweite Weltkrieg war in Hassel vorüber.

 

Die Instandsetzungsarbeiten begannen, sobald die Verhältnisse es erlaubten. Im Wetteifer versuchten die Pfarrangehörigen den Schutt zu beseitigen.

 

Im April 1945 begannen die Maurerarbeiten, im Juni wurden die Mauerschäden an der Giebelseite behoben. Im Oktober wurde das Mauerwerk des Seitenschiffs ausgebessert.

Am 30. September 1946 erlitt Pfarrer Berberich bei der Vorbereitung auf die Hl. messe einen Schlaganfall mit Lähmung der rechten Seite. Seine Gesundheit hatte in den zahlreichen, opfervollen Jahren des Aufbaues der neuen Pfarrei und den Sorgen, wie sie hier angedeutet werden konnten, viel gelitten. Der Bischof stellte ihm als Hilfspriester Kaplan Emil Brill zur Seite. Am 17. September 1948, dem Vorabend des Großen Gebetes, starb Pfarrer Berberich nach einem zweiten Schlaganfall. Er wurde auf dem Friedhof des Dorfes, von allen Mitbürgern tief betrauert, beigesetzt. Er wurde nur 53 Jahre alt.

Mit Ernennung zum 1. Januar 1949 zog als zweiter Pfarrer von Herz-Jesu, Hassel, am 9. Januar der bisherige Expositus von Maria Geburt, Ludwigshafen, Richard Fremgen, auf.

Zunächst wurde im Jahre 1949 die alte Orgel der Klosterkirche St. Franziskus, St. Ingbert, gekauft. Im Jahr 1950 wurde der Plattenbelag in der Kirche durch französischen Kalkstein ersetzt. 1951 wurde der Turmhelm aus Kupfer, der durch Kriegseinwirkung an zahlreichen Stellen aufgerissen war, ausgebessert. 1952 wurden weitere Kriegsschäden beseitigt. Es wurden beschafft: neue Kirchenportale, eine neue Beleuchtung, neue Kirchenfenster in Antikglas, ein heller Innenanstrich des Kirchenschiffes und ein freundlicher Anstrich der Kirchendecke. 1954 wurde die Mauer an der Schorrenburg- und St. Ingberter Straße erstellt.

 

Es dürfte auch von Interesse sein, von der Geschichte der Glocken zu erfahren:

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Die Katholiken von Hassel hatten drei Glocken. Die größte - ein Geschenk der Mutterpfarrei St. Ingbert wurde 1867 bei G. Schuler, Zweibrücken, gegossen. Die mittlere Glocke war im Jahre 1852 bei G. Lindemann, Zweibrücken, gegossen. Sie gehörte ursprünglich den Katholiken von Rohrbach. Die kleine Glocke, bei Georg Hamm in Kaiserslautern im Jahre 1881 gegossen, war ursprünglich die protestantische Schulglocke von Hassel wurde am 2. Juli 1921 von den einheimischen Katholiken erworben.

 
 
 

Die beiden größeren Bronzeglocken mussten am 2. Februar 1942 der Reichsstelle für Metall zu Verteidigungszwecken überlassen werden. Sie wurden von der Kreishandwerkerschaft Neunkirchen abgenommen und am 23. Juli 1942 vom Bahnhof St. Ingbert nach Hamburg-Wilhelmsburg abtransportiert. Anfang 1948 kehrten beide wieder nach Hassel zurück. Leider waren die beiden "Heimkehrer" beschädigt und nicht mehr läutbar. Das ehemalige Glöckchen vom protestantischen Schulhaus rief nun allein diem Katholiken von Hassel zum Gottesdienst, bis es 1956 an Weihnachten mit den beiden beschädigten Schwestern als Altmaterial in die Glockengießerei Saarlouis wanderte, abgelöst von fünf neuen Schwestern, die von dort den Weg in den Turm der Herz-Jesu-Kirche in Hassel antraten.

 

Am Samstag, dem 8. Dezember 1956 wurden die fünf Glocken von Angehörigen der Pfarrei in Saarlouis mit einem Lastwagen abgeholt. Am Abend hingen die Glocken bereits im Schiff der Kirche, festlich geschmückt zur Weihe, die am Sonntag, dem 9. September 1956, um 14.00 Uhr, von Domkapitular Monsignore Dr. Vinzenz Schreiber vorgenommen wurde.

Bereits 1962 reifte der Gedanke, auch das Innere des noch immer provisorisch eingerichteten Gotteshauses endgültig auszugestalten. Der Hochaltar und die Kommunionbank waren immer noch ein Notbehelf, es fehlte der Seitenaltar, der Tauf-"stein" aus "Holz" stand immer noch im Chor der Kirche. Anfang März 1963 wurde der Hochaltar aufgestellt, ferner die beiden Seitenaltäre, die Kommunionbank, den Ambo und den Taufstein. Am Samstag, dem 6. April 1963, spendete Bischof Dr. Isidor Emanuel dem Hochaltar die kirchliche Weihe. Am 8. Dezember 1963 wurde in einer Feierstunde das 2,50 hohe, aus Lindenholz geschnitzte Chorkreuz, die beiden aus gleichem Material gefertigten Statuen der Schmerzensmutter und des Hl. Joseph, geweiht. Zu Weihnachten 1964 hatte die Pfarrei Herz Jesu auch eine Krippe aus der Werkstatt von Herrn Zwink, Oberammergau. Damit war endlich nach fast 40 Jahren die Kirche, im Äußeren wie im Inneren, in einen würdigen Zustand gebracht.

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